Ardeth
II.: Zwischenteil 3 (Autorin: Bianca M. Gerlich)
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ZWISCHENTEIL 3
Im dritten Akt sang Parsifal
voller Schmerz:
Und ich ich bins, der all dies Elend schuf!
Ha! Welcher Sünden, welches Frevels Schuld muss dieses
Torenhaupt seit Ewigkeit belasten, da keine Buße, keine Sühne
der Blindheit mich entwindet, zur Rettung selbst ich auserkoren,
in Irrnis wild verloren der Rettung letzter Pfad mir
schwindet!
Und Ardeth fühlt sich direkt angesprochen. Nein, schreit es in
ihm auf, nein, ich kann es nicht, ich bin es nicht... die
Weissagung stimmt nicht... ich bin es nicht, der Ardjun erlöst,
ablöst... ich bin kein Erlöser...
Die Gralsritter wollen Amfortas töten, als dieser ihnen den
Dienst verweigert... Wild bedrängen sie ihn, er soll zum letzten
Mal seines Amtes walten... er weigert sich... Ardjun, die
Medjai... das gibt eine Katastrophe... sie denken nicht mehr an
ihre Aufgabe... Taucht eure Schwerter tief bis an
Heft!, fordert Amfortas sie auf. Tötet den Sünder
mit seiner Qual, von selbst dann leuchtet euch wohl der
Gral! Doch sie tun es nicht, zum Glück, denkt Ardeth, sie
tun es nicht... schließlich kommt Parsifal und erlöst
Amfortas... Parsifal, der Erlöser... segnet Amfortas
Leiden und singt des Mitleids höchste Kraft und reinsten
Wissens Macht dem zagen Toren gab meint sich
selbst... Parsifal hat Mitleid... Parsifal ist der Erlöser... in
Ardeth schreit es jäh auf. Ich bin nicht Parsifal, ich bin es
nicht... doch Ardjun tut ihm Leid...
Und als das letzte Mal der Chor sehr hoch Erlösung dem
Erlöser erklingen lässt, lässt sich Ardeth erschöpft in
seinen gepolsterten Sitz zurückfallen. Er kämpft nicht mehr
gegen den Gedanken an, dass sein Schicksal ihn eines Tages
ereilen würde. Er weiß jetzt, dass er um seiner Aufgabe Willen
sogar aufgeben muss, was er liebt, wenn es dereinst von ihm
gefordert werden würde. Er denkt an Emilia, an Gabriel und an
Francisca. Langsam rinnen ihm Tränen über die Wangen, während
sich die Musik leise verabschiedet. Es ist wieder lange Zeit
still, bevor sich der erste Applaus erhebt. Emilia schaut
ergriffen zu Ardeth hinüber und erblickt seine durch die Tränen
sichtbar gewordenen Tätowierungen.
Bianca Gerlich
29. März 2008