Home Ardeth II.: Zwischenteil 2 (Autorin: Bianca M. Gerlich)

ZWISCHENTEIL 2

In der zweiten Pause zwischen dem zweiten und dritten Aufzug bemühte sich Ardeth, Emilia ein guter Gesellschafter zu sein. Er hatte bemerkt, dass sie sich Sorgen um ihn machte. Er war sehr tief in den „Parsifal“ eingetaucht. Sie unterhielten sich recht lebhaft gemeinsam mit Emilias Eltern über das, was sie gesehen hatten. Dann entfernten sich die Eltern, um die Toiletten aufzusuchen.
Emilia hatte die Darstellung der Blumenmädchen gefallen.
„Zum Schluss waren es alles nur noch verwelkte Blumen, die ganze falsche Pracht dahin“, kommentierte Ardeth.
„Ja, mir hat es auch gefallen, wie das Zauberschloss zusammengekracht ist. Aber das mit Kundry und Parsifal, das habe ich nicht alles verstanden...“, meinte Emilia.
„Wenn Kundry es nicht zulässt, wird Parsifal niemals mehr zur Gralsburg zurückfinden“, erklärte Ardeth, der vor diesem Besuch von seinem Schwiegervater die spanische Übersetzung erhalten hatte.
„Aber er hat doch zu ihr gesagt: Du weißt, wo du mich wiederfinden kannst!“
„Ja, aber er weiß selbst, dass sie es zulassen muss, sich mit ihm gedanklich aussöhnen muss, damit er den Weg findet.“
„Du hast genau zugehört, nicht wahr?“, stellte Emilia fest.
„Die Musik ist sehr intensiv. Man kann es fühlen. Und glaub mir, Parsifal benötigt viele, sehr viele Jahre, um zur Gralsburg zurückzufinden... Er wird jahrelang herumirren...“
Emilia sah Ardeth, der entrückt und fast schon süchtig wirkte, irritiert an.
„Aber... aber er findet ja am Ende die Gralsburg. Das kommt jetzt im dritten Akt... und er erlöst alle...“, meinte sie, um dem Gespräch die ihr unerträgliche Spannung zu nehmen. Ende gut, alles gut.
„Ja, Parsifal wird mit dem Heiligen Speer die Wunde von Amfortas schließen...“, Ardeths Stimme klang rau. Ziemlich abrupt meinte er: „Komm, lass uns auf unsere Plätze gehen!“
Wer sollte Ardjuns Wunde schließen?
Emilia folgte Ardeth beunruhigt. Als sie auf ihren Plätzen saßen, ergriff sie wieder seine Hand und sah ihn an. Sein Antlitz war immer noch bleich, seine Hand so kalt. Sie schmiegte sich leicht an ihn. Er war ihr heute Abend so fern. Sie ahnte, dass ihn seine eigene erlittene Geschichte quälte, die er ihr dereinst anvertraut hatte...

Fortsetzung HIER "Ardeth Bay"