Home Ardeth I. (Autor: Bianca M. Gerlich)

AUF DER SUCHE NACH SANDOKAN

Teil 2

Es dauerte eine Weile, bis alle freudig Sandokan in ihre Arme geschlossen hatten - sich aufrichtig freuend, dass seine Erinnerung wiedergekehrt war. Ardeth hatte schweigend und bewegt daneben gestanden, während Verci zu ihm trat.
"Wenn ich Euch nicht geholt hätte...", flüsterte sie ihm zu. "Danke, Lord Bay!"
Ardeth lächelte sie an und nahm sie in den Arm, während Yanez anerkennend nickend auf beide zutrat.
"Nunja, die Tätowierungen müssen sich irgendwie bei Sandokan unwiderruflich eingeprägt haben, was?", scherzte er und klopfte Ardeth freundschaftlich auf die Schulter. "Und du, tapferes Mädchen, gut gemacht, herzlichen Glückwunsch!" Verci war sichtlich stolz. Ardeth grinste. Viele Blicke gingen zu ihnen herüber und man grübelte, wer dieser Mann denn sei, durch den Sandokans Erinnerung wiedergekehrt war. Man hatte ihn hier doch noch nie zu Gesicht bekommen. Aber niemand wagte Ardeth zu fragen. Als aber schließlich alle um die Lagerfeuer versammelt waren, erklärte ihnen Sandokan, wer Ardeth sei und woher er ihn kenne. Es gab manches Staunen, dass ein Fremder aus Ägypten ein Freund Sandokans sei. Tremal-Naik und Yanez philosophierten darüber, ob es wohl an dem am weitesten zurückliegenden Ereignis - der Freundschaft zwischen den beiden Jungen - lag, dass dieses entscheidend auf Sandokans Gedächtnis gewirkt hatte. Um die Neugier aller zu befriedigen, forderte Sandokan seinen ägyptischen Freund auf zu erzählen, wie es ihm seit damals im Leben ergangen sei. Ardeth wirkte etwas schüchtern zu Beginn seines Berichtes, doch erzählte er bald flüssig und, ohne, dass man ihn unterbrach, von seinem Leben in der Wüste, seinem Volk, seiner Familie und seinen Aufgaben, jedoch ohne allzu viel von dem zu verraten, was seine eigentliche Aufgabe war. Sandokan lächelte in sich hinein, denn er erinnerte sich an den letzten Abend in Acheh, als Ardeth ihm so mancherlei Erstaunliches berichtete, was er aber jetzt wohlweißlich wegließ. Der Medjai unterließ es auch nicht, von seinem Weggang zu berichten, allerdings weniger dramatisch, als es sich wirklich abgespielt hatte. Bitterkeit klang dennoch in seiner Stimme, als er abschloss:
"Man hat einen anderen für fähiger empfunden, unser Volk zu leiten. Also bin ich ins Exil gegangen - und ich hoffe sehr, bei euch bleiben zu dürfen."
"Aber ja, natürlich darfst du bleiben! Was denn sonst?", rief Yanez erfreut.
"Wir würden uns wirklich sehr freuen, wenn du bei uns leben würdest!", erwiderte Sandokan etwas förmlicher. Die anderen bekundeten ihr freudiges Einverständnis. Surama meinte:
"Aber Sandokan! Willst du mit Ardeth und den Jungen Tigern ewig hier auf Gaya bleiben? Du musst Ardeth schon eine andere Heimat bieten!" Sie zwinkerte mit ihren Augen.
"Ja, Onkel Sandokan", schloss sich Soarez dem Anliegen der Mutter an. "Ich will endlich Mompracem kennen lernen. Vater hat so viel von eurem tollen Leben dort berichtet!"
"Ja, Sandokan", vervollständigte Yanez den Kommentar seiner Familie. "Wir sollten alle gemeinsam Mompracem zurückerobern! Da kannst du Ardeth eine rechte Heimat bieten!" Alle nickten und riefen mit glühenden Augen, dass Mompracem in die Hände der Tiger zurückfallen sollte. Ardeth merkte, dass an dieser Felseninsel irgend etwas Magisches haften musste, so sehr ereiferten sich alle.
"Wartet, Freunde, wartet", beendete Sandokan die allgemeine Euphorie. "Sagt mir erst, was mit der Insel ist. Wer genau hat sie überfallen? Wie ist der jetzige Stand?"
"Achja, natürlich", meinte Yanez. "Tja, vor den Erfolg hat der liebe Gott den Schweiß gesetzt. Also, Mompracem. Wir haben herausgefunden, dass wir den Überfall hauptsächlich Brunei zu verdanken haben. Es gab zwar Beteiligung von Europäern, aber das waren ein paar Privatleute, Briten und andere, die im Auftrag einer britischen Company meinten, die Meere von angeblichen Piraten säubern zu müssen. Abenteurer, für Geld angeheuert. Nichts Offizielles, glaube mir. Also", und Yanez holte weiter aus, "du weißt ja vielleicht noch, dass sich hier im Norden von Borneo eine Company breit machen möchte. Sie haben sich Landrechte erworben, und weil sie nicht wussten, wem das Land gehört, sind sie vor nunmehr drei Jahren sowohl zum Sultan von Brunei als auch zum Sultan von Sulu gegangen und haben sich Konzessionen geben lassen."
"So wie die Amerikaner vor über zehn Jahren?"
"Ja, so ungefähr, nur der Vertrag der Chartered Company mit den beiden Sultanaten soll zeitlich unbegrenzt sein. Sie haben das Land ein für allemal vermacht."
"Meins auch?"
Yanez zögerte etwas, musste dann aber eingestehen: "Ja, auch das Land vom Kinabatangan gehört dazu."
Doch bevor Sandokan sich darüber aufregen konnte, sprach Yanez schnell weiter: "Aber diese Privatleute haben kaum Leute zur Verfügung, die das ganze organisieren. Sie haben erst an drei Orten Oberaufsichten stationiert..." Yanez kam ins Stocken, denn einer dieser Orte lag ausgerechnet in Sandokans Heimatland und er wusste nicht, wie er ihm das sagen sollte.
"Was wollen die eigentlich?", fragte Tremal-Naik dazwischen, der zwar schon von Yanez und anderen von dieser Geschichte gehört hatte, sie aber nicht so recht verstand.
"Aber Tremal-Naik, wie immer!", empörte sich Yanez. "Sie wollen Profit machen: erst das Land ausbeuten, dann die Güter verkaufen. Naja, und der Sultan von Brunei auch, er wollte wohl noch mehr Kapital herausschlagen und weitere Ländereien der Company vermachen. Übrigens hat er seine eigenen Minister übers Ohr gehauen und deren Ländereien von Staats wegen verkauft, was er ja gar nicht ohne deren Einverständnis hätte tun dürfen..."
"Vielleicht hat er sie gezwungen", meinte Kammamuri.
"Ja, kann sein", antwortete Yanez. "Wie dem auch sei, der Sultan wollte den Leuten von der Company wohl ein piratenfreies Meer liefern, um noch mehr Länderein verkaufen zu können, die hier in der Nähe liegen und bruneischen Adligen gehören. Wir waren ihm sowieso schon immer ein Dorn im Auge. Also hat er gemeinsam mit ein paar Söldnern der Europäer die Insel überfallen. Leider waren wir völlig unvorbereitet und viele unserer Männer unterwegs, sodass wir die Insel sehr schnell verloren haben."
"Dann hat die britische Regierung damit gar nichts zu tun?", wollte Sandokan wissen.
"Nein, offiziell nicht. Natürlich haben sie aber das Vorhaben der Company-Abgesandten genehmigt, also gutgeheißen."
"Das heißt, wenn wir die Insel zurückerobern und dabei die Company-Söldner vertreiben, würde die britische Regierung ihnen zu Hilfe kommen, weil wir britische Staatsbürger belästigt hätten?"
"Nein, Sandokan, weil wir gar keine britischen Staatsbürger belästigen müssen! Auf der Insel sind nämlich nur ein paar von Bruneis Soldaten stationiert, aber keine Europäer. Die haben anderes zu tun, nämlich für Frieden in ihrem Land im Norden zu sorgen, da dort überall kleine Aufstände gegen ihre Regierung ausgebrochen sind. Viele Einheimische waren nämlich gar nicht einverstanden, auf einmal eine Regierung über sich zu haben, nachdem sich Brunei und Sulu schon vor über 50 Jahren aus gewissen Ländern zurückgezogen hatten. Wie du weißt, haben die beiden Sultane Land verkauft, das ihnen gar nicht mehr gehörte."
"Ja, ich weiß", knurrte Sandokan. "Zum Beispiel meins."
"Ja, und in dem Zusammenhang habe ich auch noch eine schlechte Nachricht für dich..."
"Sag schon, Yanez!", forderte ihn Sandokan auf, denn er ahnte, dass diese Nachricht ganz gewiss etwas mit seinem Territorium am Kinabatangan zu tun haben musste.
"Naja, die Weißen wollen Profit machen, und rate mal womit!"
"Yanez!", drängelte Sandokan ungeduldig.
"Na, mit den Vogelnestern! Und wer besitzt viele Vogelnester? Deine Familie am Kinabatangan!"
Lahut und Malkam nickten ärgerlich.
"Samah wird sie doch wohl in Schach halten können!"
"Wer ist Samah?", wollte Surama wissen, die dicht neben Yanez saß.
"Oje, Borneo-Genealogien waren noch nie meine Stärke!", blinzelte Yanez. "Aber ich glaube, eine Art Neffe von Sandokan, oder?" Er wandte sich an Sandokan, der grübelnd ins Feuer starrte.
"Ja, der Sohn meines Neffen", bestätigte er nebenbei. "Er regiert am Kinabatangan und hat bislang auf meinen Sohn aufgepasst." Sandokan umarmte bei diesen Worten den inzwischen neben ihm stehenden Sidom. Es war gut, dass er jetzt hier war.
Ardeth fragte sich, warum Sandokan nicht selbst dort - in seiner eigentlichen Heimat - lebte, aber er wollte nicht laut fragen und hob sich die Frage für später auf.
"Naja, und der Gouverneur der neuen Company ist auch schon selbst nach Sandakan gefahren, um sich ein Bild von der Situation zu machen, nachdem sein Stellvertreter Pryer nicht so ganz Herr der Lage wird."
"Was, die sind auch in Sandakan?", brachte Sandokan entsetzt vor.
"Ja, das ist einer ihrer drei Postierungen..." Yanez empfand ein ziemliches Mitleid mit Sandokan. Hatten sie nicht erst vor ein paar Jahren den weißen Möchtegern-Rajah vom Kinabatangan vertrieben? Und nun schon wieder neue Invasoren! Aber leider hatten sich diese Invasoren ernsthaft vorgenommen, das Land zu regieren und wurden zudem von ihren Regierungen geschützt.
"Armer Samah! Wir müssen ihm helfen."
"Vielleicht. Warte es erst mal ab, was sich dort ergibt. Ich glaube, dieses Mal wird es auch sehr schwierig werden. Die Europäer haben das Land an sich genommen, sie glauben sich im Recht, jedenfalls haben sie ihre Regierungen davon mit den beiden Verträgen mit Brunei und Sulu überzeugt, also werden sie nötigenfalls von ihren Regierungen Unterstützung erhalten, falls du ihnen allzu feindlich gegenüber treten solltest. Du wärest für sie nur ein Aufständischer, der sich ihrer Regierung in den Weg stellen würde. Immerhin propagieren sie Wohlstand und Fortschritt für Nord-Borneos Bevölkerung."
"Das ist ja wie mit den Brookes in Sarawak!", brachte Tremal-Naik hervor.
"Ja, nur noch nicht so verbissen. Es liegt auch nicht in einer Hand wie damals bei James Brooke. Es gibt zwar einen Gouverneur, aber dahinter steckt halt eine ganze Company und Geldgeber. Achja, sie nennen sich jetzt übrigens die British North Borneo Company."
"Nord-Borneo ist jetzt also englisch...", konstatierte Sandokan traurig.
"Naja, pseudo-englisch, würde ich sagen, mein Bruder."
"Wenn Nord-Borneo englisch ist, dann darf ich hier gar nicht bleiben", sagte Ardeth halblaut vor sich hin, aber Yanez hörte ihn.
"Warum, Ardeth?", fragte er ihn, der auf der anderen Seite von Sandokan saß.
"Naja, ich bin von englischem Boden verbannt. Ägypten ist ja auch pseudo-englisch."
"Willkommen im Kreise der Auserlesenen!", meinte Yanez eher sarkastisch, aber froh, durch Ardeth' Kommentar wieder auf ein anderes Thema zurückgehen zu können. "Also bleibt uns ja gar nichts anderes übrig, als Mompracem zurückzuerobern!"
"Und liegt Mompracem nicht auch im Bereich dieser britischen Company?", wollte Tremal-Naik wissen.
"Naja, die Insel wurde in den Verträgen nicht explizit genannt und kein Adliger der Brunei konnte Kapital aus ihr schlagen. Vielleicht hat der Sultan uns deshalb überfallen. Glaub ich aber eher nicht, weil sie zu nah an Labuan liegt und Labuan ist ja wieder ein anderes Ding. Ich glaube, er wollte wohl eher erreichen, dass niemand der Company steckt, hier gäbe es noch Piraten. Charles Brooke, der Neffe vom alten Brooke, zum Beispiel, der ist nämlich ziemlich sauer, dass diese Company sich hier im Norden breit macht."
"Kann ich mir denken, denn die Brookes wollten sich doch das Land hier eigentlich einverleiben", meinte Sambigliong.
"Jedenfalls sollten wir schnell handeln, Sandokan", schlug Yanez vor. "Erstens, dort sind zur Zeit nur die Soldaten aus Brunei und mit denen werden wir schnell fertig, zweitens, bevor der Sultan die Insel an die Europäer verkauft, sollten wir klarstellen, dass sie uns gehört."
"Ja, du hast recht, Yanez", erwiderte Sandokan noch ganz in Gedanken verhaftet. "Schließlich habe ich ja wohl bald keine Heimat mehr am Kinabatangan..."
"Kopf hoch, Bruder, warte erst mal ab. Samah ist genau wie du ein sehr energischer Mann. Vielleicht zeigt er den Leuten von der Company ihre Grenzen auf. Die möchte ich sehen, wie sie durch den Dschungel zu ihm tapern." Yanez lachte und immerhin erhellte sich auch Sandokans Miene. "Naja, und dann habe ich noch einen dritten Grund vergessen", sprach Yanez gutgelaunt weiter. "Drittens ist es günstig, jetzt Mompracem zurückzuerobern, weil wir soviel Unterstützung haben. Alle unsere guten Freunde sind hier! Wer kommt schon gegen uns an?"
Bei diesen Worten erhob sich wieder ein lauter Jubel. Man spürte, dass Sandokan so etwas wie Anfeuerung benötigte, um sich durchzuringen und um die desolate Situation seiner Heimat in Nord-Borneo zu vergessen.
"Es lebe Mompracem! Mompracem auf immer! Hurra Sandokan!"

Die Wiedereroberung von Mompracem war, wie Yanez vorausgesehen hatte, wirklich ein Kinderspiel. Die Flotte Sandokans, verstärkt durch drei Kriegsschiffe aus Assam, die Yanez, Surama und Tremal-Naik mitgeführt hatten, weil sie davon ausgegangen waren, dass sie benötigt werden würden, paralysierte die wenigen Soldaten aus Brunei. Noch war nicht bekannt geworden, dass der Tiger von Malaysia wieder aufgetaucht war - und so hatte man es nicht für nötig befunden, die kleine Insel Mompracem mit mehr als einer kleinen Einheit Soldaten zu versehen. So lange war der erfolgte Angriff auf Mompracem durch die Truppen des Sultans von Brunei und einigen weißen Söldnern schon her, dass sie sich in Sicherheit wiegten. Inzwischen hatten sich hier sogar schon einige Fischer angesiedelt. Es wurde kaum Widerstand geleistet, als die große Flotte unter der roten Tigerflagge vor Mompracems großer Bucht aufkreuzte. Die Soldaten bildeten lediglich eine Verteidigungsformation und richteten ihre Gewehre auf. Doch als die vielen Männer Sandokans an Land gingen, ergaben die Brunei-Malaien sich nur allzu schnell. Sie wurden mit der Botschaft nach Brunei zurückgeschickt, dass Mompracem wieder dem rechtmäßigen Besitzer gehören würde, die aber weder vorhätten, Vergeltungsmaßnahmen gegen Brunei zu unternehmen noch sich in die Dinge zu mischen, die Brunei mit der British North Borneo Company aushandelte. Man würde sich friedlich verhalten, wenn man selbst auch in Frieden gelassen werden würde. Es war ein Entgegenkommen, um den Erhalt und Frieden der Bewohner der Insel Mompracem zu sichern. Nicht ohne Zerknirschung hatte Sandokan diese Berichte abgefasst, denn er willigte damit auch insgeheim ein, nichts gegen die Company zu unternehmen, die immerhin sein Vaterland im Norden Borneos mit einem Handstreich in ihren Besitz gebracht hatte. Er stand in seinem 60. Lebensjahr und war darauf bedacht, seinen alten Weggefährten ein ruhiges Leben zu ermöglichen. Sandokan baute darauf, dass sein Großneffe mit der Situation am Kinabatangan gut klarkommen würde. Auch würde ein Einmischen seinerseits vielleicht das Erbe Samahs belasten, denn die Briten konnten Sandokan immer noch als Piraten betrachten und ihm somit jede Rechtmäßigkeit auf das Land um den Kinabatangan absprechen. Sandokan hatte versucht, sich äußerlich und innerlich von seiner Heimat zu distanzieren, doch er schaute mit Wehmut und Unruhe auf die Ereignisse im Norden Borneos. Aber nun stand erst einmal der Wiederaufbau seiner Herzensheimat an und gemeinsam mit seinen Freunden errichtete er Hütten und setzte die alten Anlagen wieder instand. Den Fischern hatte er erlaubt zu bleiben und die meisten nahmen sein Angebot an.

Seit einer Woche weilte man bereits wieder auf der Felseninsel, bislang hatte niemand versucht, die Insel wieder anzugreifen. Es war auch keine beunruhigende Kunde von Sandokans Freunden auf Labuan, Brunei und anderen Orten auf Borneo nach Mompracem gelangt, dass ein weiterer Angriff bevorstehen würde. Yanez und Tremal-Naik hatten versprochen, noch eine Weile zu bleiben, bis man davon ausgehen könnte, dass wirklich Friede eingekehrt sei.
Sandokan stand an der Spitze des hohen Felsens Mompracems, auf dem auch seine Behausung stand, als Ardeth zu ihm trat und ihn aus seinen Gedanken riss. Ardeth hatte inzwischen seine schwarze Wüstenkleidung abgelegt und trug ein loses grünes Hemd über einer weiten roten Hose. Um die Hüfte hatte er sich ein größeres kariertes Tuch geschlungen und sah den hiesigen Einheimischen sehr ähnlich, wenn da nicht seine unzähligen Tätowierungen gewesen wären. Er hatte auch seine Stiefel ausgezogen und ging barfuß. Das Leben in der Wüste lag weit hinter ihm. Auch Arianda und Janir hatte er erlaubt, sich so zu kleiden, wie sie es wünschten. Doch nur Arianda hatte sein Gewand mit einem Sarong vertauscht, sehr zu Vercis Entzücken.
"Nun, mein Freund", begrüßte Ardeth Sandokan. "Zufrieden?"
"Ja, zufrieden!" Sandokans Blick schweifte über das Meer. "Ich hoffe, sie lassen uns auch zufrieden."
"Und dieses hier ist also deine Wahlheimat. Warum diese kleine Insel?"
"Weißt du, Ardeth, es gab mal sehr unruhige Zeiten in meinem Leben. Ich war aus meiner Heimat vertrieben worden und irrte jahrelang an den Küsten Borneos umher, gehetzt und verfolgt, und schließlich gelang es mir, hierher zu kommen. Ich fand andere vor, die hier als Ausgestoßene lebten und wir taten uns zusammen. Diese Insel wurde zu unserer einzigen möglichen Heimat in den hiesigen Gewässern. Wir rächten uns an denen, die uns so übel mitgespielt hatten und überfielen ihre Schiffe. Wir standen ja sowieso schon außerhalb des Gesetzes, sie sahen uns immer als Piraten an. Warum also nicht so handeln? Wir hatten den Vorteil auf unserer Seite, dass wir die hiesigen Gewässer und Inseln ganz genau kannten. Mompracem ist schwer zugänglich, aber sie liegt in der Nähe von wichtigen Handelszentren, so dass wir immer Informationen über die Vorgänge erhalten konnten. Viele Male versuchten sie uns hier auszuheben, aber es gelang nicht. Das Meer um Mompracem herum ist voll von untergegangenen Schiffen, die versucht haben, uns zu drohen."
Hörbar klang ein gewisser Stolz in Sandokans Stimme mit.
"Nur Mompracem konnte uns Sicherheit bieten. Wir liebten diese Insel sehr und waren sehr betrübt, als es den Briten von Labuan endlich gelang, uns zu vertreiben."
"Ah, die Insel wurde schon einmal überfallen?"
"Ja, Ardeth. Zweimal zuvor bereits. Beim ersten Mal sind wir nach Java gegangen. Ich hatte eine Frau kennen gelernt..."
"Ja, Verci hatte mir schon von Marianna erzählt."
"Marianna...", wiederholte Sandokan schwärmerisch. "Marianna mit den goldenen Haaren und der engelsgleichen Stimme. Sie starb bald an Cholera. Es ist schon so lange her, aber ich habe sie nie vergessen."
Nach einer Pause, in der er seinen traurigen Gedanken nachhing, sprach Sandokan weiter: "Wir haben die Insel zurückerobert, waren aber keine Piraten mehr wie früher. Wir lernten bald Tremal-Naik und Kammamuri kennen und halfen ihnen."
"Sie stammen aus Indien, nicht wahr?"
"Ja, Tremal-Naik ist mit der Cousine meiner Frau verheiratet gewesen, Ada. Auch sie starb bald. Aber im Gegensatz zu Marianna und mir hatten sie ein Kind, eine Tochter. Du hast sie bereits kennen gelernt: Darma. Sie ist inzwischen auch verheiratet - mit Sir Moreland, dem Sohn eines unserer Todfeinde, dem mächtigen Anführer der Kali-Sekte, Suyodhana."
Ardeth bekam immer größere Augen. Sandokans Leben muss sehr abenteuerreich gewesen sein. Sandokan grinste.
"Aber sei beruhigt, Ardeth, Suyodhana ist schon lange tot. Ich habe ihn im Zweikampf erledigt. Der Tiger von Indien war nicht stärker als der Tiger von Malaysia."
"Meine Güte, Sandokan! Was für ein Leben hast du geführt! Und ich habe all die Jahre gedacht, du würdest friedlich als Rajah über deine Heimat am Kinabatangan herrschen!"
"Ja, mein Leben war sehr abenteuerreich, das ist wahr. Nun, das ist vorbei. Ich hatte vorgehabt, hier auf Mompracem in Frieden leben zu können und mal ab und zu meine Freunde in Indien zu besuchen", er warf einen vielsagenden Blick auf Ardeth und fuhr fort: "...und wenn ich es mir so recht überlege, kann ich ja dir nun auch einen Besuch abstatten."
Ardeth senkte traurig seinen Kopf.
"Leider, mein Freund, habe auch ich meine Heimat verloren. Ich darf nicht zurückkehren."
"Ja, du hast davon schon an dem Abend am Lagerfeuer auf Gaya gesprochen. Doch du hast den anderen nur das Nötigste erzählt, ich kenne das doch noch von früher. Erst am letzten Abend in Acheh hast du mir so einiges von deinem seltsamen Volk offenbart. Ich weiß, dass du sehr an deinem Volk und seinen Traditionen hängst, um so mehr erstaunt es mich, dass man dich - wie du sagst - fortgejagt hat. Willst du mir nicht in aller Ruhe deine ganze traurige Geschichte erzählen, Ardeth?"
Ardeth nickte dumpf. Allzu lang lasteten die Ereignisse schon auf seiner Seele.
"Aber nicht hier, Ardeth. Lass uns in meine Hütte gehen und bei einer Tasse Tee, ähm, Pfefferminztee", grinste Sandokan, "erzählst du mir alles."

Sie saßen noch lange zusammen. Ardeth hatte Sandokan bereits von seiner Stellung als Anführer aller zwölf Medjai-Stämme erzählt und von den Problemen mit seinem Sohn, von dem er soviel erwartet hatte. Sandokan fragte ungläubig nach:
"Du hast ihn ein Jahr lang in eine Höhle gesperrt?"
"Ja, habe ich, und habe gehofft, er würde zur Vernunft kommen und diese Ausländerin vergessen. Aber mittlerweile wünsche ich mir, dass er sie nicht vergessen hat und stark bleibt, denn mein Widersacher Jazar Gazur wird alles versuchen, um Ardjuns Position zu schwächen. Ich bin froh, dass Ardjun nicht dessen Tochter geheiratet hat."
"Jazar Gazur?"
"Der Anführer vom elften Stamm. Er ist sehr mächtig und hat sich mit anderen Anführern verbündet. Zusammen haben sie behauptet, ich wäre kein fähiger Anführer mehr. Aber wenn's das nur gewesen wäre!" Ardeth kam in Fahrt. "Verraten haben sie mich - uns alle! Weißt du, was sie getan haben?"
Sandokan schüttelte mit dem Kopf, obwohl er wusste, dass eine Reaktion seinerseits überflüssig war und dass Ardeth sowieso gleich weiter sprechen würde, so aufgeregt, wie er immer noch war.
"Sie haben britische Forschertrupps überfallen und so getan, als wären es meine Leute vom 12. Stamm gewesen. Uns haben sie glauben lassen, dass irgendwelche Räuber sich als Medjai verkleidet hätten. Die Briten haben mich verwarnt, ich solle die Reisenden in Frieden lassen, was ich auch versprach, denn ich fühlte mich völlig unschuldig. Ich wollte die angeblichen Räuber dingfest machen. Natürlich hatte ich meine Probleme mit diesen Briten, die alte Gräber aufrissen und fast schon plünderten. Was sie alles verkauft haben von unseren alten Schätzen! Ganze Pylone haben sie ins Ausland geschafft! Es ist zur Mode geworden, ägyptische Antiquitäten zur Schau zu stellen. Für ihre Parties in England lassen sie sich Mumien holen... Sandokan, ich sag dir, ich habe mich so oft über dieses Verhalten aufgeregt, ich habe ihnen auch gesagt, dass ich das nicht dulden kann, aber ich habe ihnen nie wirklich Gewalt angetan. Gut, es kam mal vor, dass ich ihre allzu kühnen Forscher anhielt und aufforderte, zurückzukehren, wenn sie sich allzu nah unseren heiligen Gräbern befanden. Angesichts meiner vielen Krieger taten sie es auch. Aber nie habe ich jemanden gemordet!"
Sandokan konnte Ardeth' emotionalem Ausbruch nur schwer folgen. Mumien, Pylone, Antiquitäten, britische Forscher, Verrat im eigenen Lager... aber er bemühte sich und ließ Ardeth weitersprechen.
"Und Gazur hat das alles eingeleitet, damit ich gestürzt werden konnte. Er hat die Briten weiterhin überfallen lassen, bis die schließlich ihre Drohung in die Tat umsetzen und mein Dorf dem Erdboden gleichgemacht haben. Wir waren völlig unvorbereitet. Ein Teil meiner Krieger war fort - auf der Suche nach den angeblichen Räubern. Wir konnten nicht viel Widerstand leisten. Wir waren überrascht, als wir all die britischen Soldaten sahen. Dann zogen wir uns in ein provisorisches Lager zurück und erbaten uns Hilfe von den anderen Stämmen, aber es folgten nicht allzu viele unserem Ruf. Wir standen fast allein da. Als Gazur sich dann herabließ uns zu besuchen, klärte sich alles auf. Ich hätte ihn am liebsten sofort exekutiert, aber er hatte schon zu viele Verbündete. Wenige wussten von seinen Taten und sagten sich, dass der Zweck die Mittel heiligte. Andere wurden bewusst in die Irre geführt, waren Mitläufer. Hätte ich aufbegehrt, hätte es noch mehr Unfrieden unter unserem Volk gegeben. Also trat ich zurück, zumal die Briten gefordert hatten, dass ich mich ergebe. Immerhin haben sie mich verbannt und nicht, wie ursprünglich geplant, interniert."
"Warum hat Gazur das getan? Nur, weil er oberster Anführer werden wollte?"
"Ja, allein deshalb. Machtgier. In seinen Augen stellte meine Familie schon zu lange die Anführer aller Medjai. Ich hatte dann in Kairo erfahren, dass er teilweise das Gold der Pharaonen veräußert hatte, um Leute zu bestechen..."
Sandokan unterbrach ihn: "Wessen Gold?"
"Das Gold der Pharaonen! Von den Pharaonen hatte ich dir doch schon in Acheh erzählt, weißt du das denn nicht mehr, Sandokan? Pharaonen sind unsere eigentlichen Könige, und wir Medjai hatten und haben die Aufgabe, sie selbst und ihre Schätze zu bewachen."
"Aber wieso lassen sie sich dann ihr Gold so einfach rauben? Hatte Gazur Zugang zu ihrem Gold? Haben sie ihn denn da so einfach rangelassen?"
Ardeth starrte Sandokan etwas verwirrt an.
"Achso, du denkst, sie leben noch, die Pharaonen. Nein, sie sind schon lange nicht mehr. Aber wir sind immer noch ihre Diener und..."
"Moment, Ardeth! Ihr seid noch ihre Diener, obwohl sie längst tot sind? Wann sind sie denn gestorben?"
"Vor ungefähr 2700 Jahren. Aber..."
"Was?! Ihr betrachtet euch seit 2700 Jahren als Diener von verstorbenen Königen?"
"Ja, wir waren mal ihre Leibwächter." In Ardeth' Stimme lag ein merklicher Stolz. "Und wir haben eine wichtige Aufgabe, von der uns erst ein echter Pharaoh entbinden kann."
Sandokan wagte nicht mehr dazuwischen zu fragen. Besser, Ardeth redete erst mal zu Ende.
"Nun, und wir bewachen ihre Gräber und die verborgenen Schatzkammern. Und nun hatte doch Gazur die Frechheit, einfach eine oder mehrere aufzubrechen und das lang gehütete Gold zu entwenden! Ich kann es nicht fassen, Sandokan, ich kann es noch nicht fassen! Ich erfuhr davon in Kairo, kurz vor meiner erzwungenen Abreise. Und ich verständigte treue Untergebene. Doch ich befürchte, dass die genau so wenig dagegen unternehmen können wie ich aus der Ferne. Was sollte ich auch noch tun können? Ich bin entthront. Ich muss um das Leben meines Sohnes fürchten. Wenn er stirbt, dann gibt es keinen männlichen Bay-Erben mehr. Ich habe versagt, ich habe die letzte Linie dieser alten Familie sterben lassen."
Sandokan legte tröstend eine Hand auf Ardeth' linke Schulter.
"Vielleicht lebt dein Sohn ja und hat längst eine Familie. Vielleicht hat er inzwischen eine Frau aus deinem Volk geheiratet. Oder hatte er immer noch vor, diese Ausländerin zu heiraten?"
"Nein, ich glaube nicht. Er ist ja nun Anführer des 12. Stammes, aber Gazur untergeben. Wenn der darauf besteht, dass eine seiner Töchter Ardjun heiratet, nur damit er ihn enger an sich bindet und seine Regierung dadurch legitimieren kann... er würde Ardjun zwingen können. Bei Ungehorsam würde er bestraft werden, sehr hart."
"Das glaube ich dir...", meinte Sandokan und dachte an die vom eigenen Vater verhängte Strafe zurück. "Aber Ardjun scheint auch so ein Dickkopf zu sein..."
"Wie ich, meinst du wohl", seufzte Ardeth. "Ja, ich bin ein ziemlicher Dickkopf. Meine Frau kann ein Lied davon singen. Ich war kein guter Ehemann. Weißt du, ich bin es gewohnt gewesen zu befehlen, nicht zu verhandeln. Es ist nicht einfach, ein so altes Volk wie meines anzuführen und die jungen Leute nicht mit der modernen Welt in Berührung kommen zu lassen."
"Wieso sollten sie nicht damit in Berührung kommen?"
"Weil sie dann den Verführungen erliegen würden. Sie würden mehr wollen als ihnen die Wüste bieten kann. Wir leben sehr bescheiden, Sandokan. Und inzwischen sind auch die Städte im Süden nicht verschont geblieben von dem Luxus, dem Tand, den die Franzosen und Briten mitbrachten. Ich habe jeden Desertierenden, jeden Eidbrüchigen in der Wüste ohne Wasser ausgesetzt. Wir können es uns nicht leisten, Krieger zu verlieren. Zu mannigfach sind die Gefahren."
"Naja, ich habe von meinen Leuten auch immer unbedingten Gehorsam verlangt. Du brauchst dir deshalb keine Gewissensbisse im Nachhinein zu machen, es war schon richtig so. Anders kann man nicht regieren."
Sandokan dachte dabei auch an Arianda und Janir, die stets sehr devot Ardeth gegenüber waren, auf die Knie vor ihm gingen, wenn sie ihn sahen, ihm jeden Wunsch von den Augen ablasen und in seiner Gegenwart ehrfürchtig schwiegen. Ardeths Stimme klang fast resignierend, als er Sandokan entgegnete:
"Aber ich war vielleicht zu streng. Ich habe darauf geachtet, dass die alten Sitten eingehalten werden, und wer dagegen verstieß, wurde hart bestraft."
"Das erinnert mich an einen alten Freund und Weggefährten, meinen ehemaligen Kommandanten Syarif Osman. Er war auch akribisch darauf bedacht, dass die Sitten eingehalten wurden. Wehe, es verhielt sich jemand respektlos... Aber seine Festung war uneinnehmbar, keine Räuber und Piraten konnten uns dort überfallen. Und daher kamen viele Menschen, um sich seinem Schutz zu unterstellen - und sie fanden seine harte Gerechtigkeit gut."
"Er ist tot?"
"Ja", bestätigte Sandokan. "Er wurde von den Briten als Pirat diffamiert, seine große Festung in Marudu von ihnen überfallen und durch ihre besseren Kanonen vernichtet. Ich war dabei. Er fiel bei der Schlacht. Ich entkam und musste fliehen. In jenem Jahr, ich war damals 21 Jahre alt, begann mein Elend. Aber ich habe viel von ihm gelernt, habe auch seine Flagge, die Fahne der von den Sultanaten und Weißen unabhängigen Völker im Norden Borneos, hochgehalten und als unsere verwendet, und ich habe auch meine Leute auf Mompracem hart angefasst. Ich kann sagen, dass ich gefürchtet und geliebt war. Ich denke, deine Leute werden dich auch gefürchtet und geliebt haben. Vielleicht hat dein Sohn das von dir gelernt und verhält sich jetzt ebenso. Kannst du ihm keine Nachricht zukommen lassen und er dir?"
"Kommt denn ein Postschiff hier vorbei?"
"Ein Postschiff hält einmal im Monat auf Labuan. Dorthin kannst du einen Brief bringen lassen. Wenn dein Sohn oder jemand anders dir eine Nachricht zukommen lassen möchte, dann gibst du eine Adresse in Labuan an, zu der sie geschickt werden soll. Sie wird uns dann überbracht."
Ardeth' Augen leuchteten auf.
"Hast du Papier da?"
"Natürlich, Ardeth. Alles, was du willst. Komm!"
Sandokan reichte Ardeth alles, was er zum Schreiben benötigte - und Ardeth ließ sich viel Zeit, um an William einen Brief zu schreiben.

Während Ardeth, Sandokan und Yanez viel Zeit miteinander verbrachten, zeigte Verci Arianda die Insel. Er war sehr umgänglich und verstand sich auf Anhieb mit den Einheimischen, zumal Verci ihm auf der langen Überfahrt Malaiisch beigebracht hatte. Janir tat sich etwas schwieriger und blieb lieber für sich allein, er hatte Heimweh, aber wagte es nicht, das gegenüber Ardeth zu äußern. Er blieb in dessen Nähe in ständiger Bereitschaft und nur schwerlich konnte Arianda ihn dazu überreden, Ardeth mal allein zu lassen.
Wieder einmal hatte Janir es vorgezogen, bei Ardeth zu bleiben, während Verci und Arianda sich durch den Dschungel kämpften und Verci ihrem interessierten Kameraden alles erklärte. Längst hatte Verci von Arianda erfahren, dass er aus einer sehr alten Familie stammte, dessen Mitglieder die ehrenvolle Aufgabe besaßen, Leibwächter für den Anführer aller Medjai, den sie wie einen König verehrten, zu stellen. Verci hatte Arianda berichtet, dass ihr Sandokan höchstpersönlich das Kämpfen beigebracht hat, seit sie vor gut zwei Jahren im Alter von 16 Jahren auf die Insel kam. Ihre Mutter war damals nicht erfreut gewesen, dass sie nach Mompracem wollte, aber hatte sozusagen selbst Schuld daran, denn sie hatte ihrer Tochter viel über den berühmten Tiger von Malaysia vorgeschwärmt und als Verci nach Mompracem kam, war es ihr, als träfe sie einen alten Bekannten, so vertraut war ihr Sandokan bereits aus den Erzählungen ihrer Mutter.
"Lebt deine Mutter weit von hier entfernt?"
"Ja", beantwortete Verci diese Frage. "In Sulu, das ist ein Inselreich im Nordosten von Borneo. Man braucht eine Woche bei gutem Wind mit dem Schiff dorthin."
"Du hast deine Mutter im Alter von 16 Jahren verlassen. Bei uns gilt man mit 16 als erwachsen. Giltst du auch als erwachsen in deinem Volk?"
"Ja, eigentlich schon. So richtig akzeptiert als Frau werde ich aber erst, wenn ich geheiratet habe."
Das war das Stichwort, auf das Arianda gewartet hatte, denn von allein hätte er nicht gewagt, das Thema anzuschneiden, das ihm doch so sehr auf der Seele brannte.
"Und da ist niemand, dem du versprochen bist oder so?"
"Nein." Verci ergriff nun ihrerseits die Gelegenheit. "Und du?"
"Ähm, ich bin auch noch nicht verheiratet und da ist auch kein Mädchen..."
Beide schwiegen und überlegten, ob eine Verbindung zwischen ihnen möglich wäre.
"Und wenn ihr bei uns leben solltet, also, dann kannst du ja nicht mehr zurück und...", brachte Verci ziemlich stammelnd nach einer Weile hervor, "und dann...ähm..."
Arianda kam ihr zu Hilfe, denn er hatte offensichtlich verstanden, was sie eigentlich damit zum Ausdruck bringen wollte. Er berührte mit seinen Händen ihre Schultern und drehte sie zu sich. Lange sahen sich an. Nach einer Weile senkte sie den Blick, sich bewusst werden, dass es sich eigentlich für ein Mädchen nicht schickte, einem jungen Mann so offen ins Gesicht zu blicken. Arianda aber hob ihr Kinn wieder sanft an und küsste sie zaghaft. Verci wehrte sich nicht, sondern umfasste ihn dabei fest. Der Kuss dauerte nicht lange, aber die darauf eintretende Stille. Beide trauten sich nicht, ihre Wünsche auszusprechen. Aber beiden war in diesem Augenblick klar geworden, dass sie zusammen bleiben wollten. Verci sagte nach einer Weile leise und betreten: "Und wenn du doch wieder weggehen musst?"
"Dann nehme ich dich mit", erwiderte Arianda fest und ließ an seinem Entschluss keinen Zweifel aufkommen.

Sie waren jetzt schon gut zwei Monate auf der Insel. Einige Freunde Sandokans waren bereits abgereist: So hatten Tremal-Naik, Surama, Kammamuri, Darma und ihr Yogi die Insel verlassen, um nach Indien zurückzukehren. Assam konnte nicht so lange allein gelassen werden, die letzten kämpferischen Auseinadnersetzungen wegen des "Brahmanen von Assam" lagen gerade erst zurück und es musste noch immer aufgepasst werden, ob fanatische Anhänger des Brahmanen für Unfrieden sorgen wollten. Tremal-Naik, der ja inzwischen einer von Suramas Ministern geworden war, sollte daher zurückkehren. Doch Yanez wollte noch eine Weile auf Mompracem bleiben. Zur Sicherheit, wie er meinte, aber natürlich auch deshalb, weil auch für ihn Mompracem immer die Herzensheimat gewesen ist.
Vier Wochen später wurde es auch für Yanez Zeit abzureisen. Wie er schon seit langem mit Surama geplant hatte, ließ er seinen Sohn Soarez in Sandokans Obhut, der ihm vieles beibringen sollte. Soarez verstand sich prächtig mit Sandokans Sohn Sidom. Sie wetteiferten, wer der bessere Kämpfer sei. Zusammen machten sie die Insel unsicher und brachten schließlich auch Janir dazu, endlich aufzutauen, indem sie sich von ihm allerlei ägyptische Kampftechniken zeigen ließen.
Ardeth und Sandokan standen auf dem hohen Felsen und sahen hinunter ins kleine Dorf in der Bucht, an deren Rande Sidom und Soarez mit Holzschwertern übten.
"Wie wir damals!", meinte Sandokan. "Die beiden erinnern mich stark an unsere Zeit in Acheh!"
"Ja, mich auch", gab Ardeth zu. "Sie sind genauso begeistert."
"Ich bin froh, dass Sidom wieder bei mir ist. Ich hatte ihn bislang in der Obhut von Samah gelassen, weil Samah keine männliche Erben hat und ihm das Familienerbe überlassen sollte. Naja, und Samah hatte nicht so ein unstetes Leben wie ich geführt. Nunja, jetzt hat sich diese Company am Kinabatangan breit gemacht und mir ist lieber, Sidom bleibt hier auf Mompracem. Übrigens, schön, dass auch endlich Janir Gefallen am Leben hier gefunden zu haben scheint."
Ardeth nickte zustimmend und sah sich gleichzeitig nach Arianda um, aber entdeckte ihn nirgendwo.
Während die beiden alten Haudegen die Jungen beobachteten, näherte sich ein Bote der Hütte.
"Tiger", begrüßte er seinen Herrn förmlich. "Ich habe Post aus Labuan." Er übergab Sandokan einen Brief.
"Für dich", grinste Sandokan Ardeth an und übergab ihm den Brief. Ardeth starrte auf diesen und öffnete ihn aufgeregt. "Von William!" Er überflog förmlich die Reihen. Dann starrte er ungläubig aufs Meer hinaus.
"Was ist?", wollte Sandokan wissen. "Schlimme Nachrichten?"
"Wie man es nimmt", antwortete Ardeth. "Sie wollen, dass ich zurückkomme!"
"Was? Das ist doch wunderbar! Warum? Was ist geschehen?"
Ardeth überflog noch einmal den Brief.
"Soviel hier steht, hat Gazur große Schwierigkeiten. Die anderen Anführer stellen ihn in Frage, zumal herausgekommen ist, dass er Gold aus den Gräbern entwendet hat. Man misstraut ihm offen. Die Medjai drohen auseinander zu gehen und ich soll ganz schnell kommen und sie wieder unter einem Anführer versammeln. So schreibt es jedenfalls William."
"Und die Briten? Sie haben dich doch verbannt."
"Er meint, dass sie das Urteil aufheben würden, wenn man ihnen glaubhaft versichert, dass es Gazur war, der um der Macht Willen dieses Spiel betrieben hat. Außerdem soll es im Süden sehr turbulent zugehen. Da scheint sich die Bevölkerung gegen Ägypten aufzulehnen. Die Medjai hätten es aufgegeben, die Wüste zu kontrollieren. Viele seien in die Städte abgewandert, enttäuscht von Gazur und den anderen Anführern. Kurzum, es geht drunter und drüber."
"Du wirst natürlich sofort zurückkehren!"
"Ja, ich sollte schnellstens zurückreisen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass die Situation so eskaliert ist. Aber ich habe ja extra meinem Schwager befohlen, dass er darauf achten soll, was vorgeht und William Bescheid geben soll. Meine Güte, wenn die Medjai nicht mehr ihre Aufgabe wahrnehmen, dann..."
"Ja?"
"Dann steht das Schlimmste bevor, der Weltuntergang."
"Was sagst du da, Ardeth?" Sandokan war sichtlich irritiert.
"Wir haben eine sehr wichtige Aufgabe, Sandokan. Wir verhindern, dass das "Böse" in die Welt gelangt. Wenn nun niemand mehr die heiligen Stätten bewacht... es ist undenkbar! Seit mehr als 3000 Jahren bewachen wir die Wüste und jetzt das!"
"Stimmt, du hattest mir schon in Acheh von eurem Geheimnis erzählt und mir das Versprechen abgenommen, nie davon zu erzählen."
"Ja, Sandokan, ich erinnere mich genau an den letzten Abend, als ich dir von dem Untoten berichtet hatte. Wenn dieser Untote wieder ins Leben gerufen wird, wäre es wie der Weltuntergang, weil er alle Menschen dann beherrschen könnte, denn das hat er sich in diesem Fall vorgenommen, als Rache sozusagen. Es ist ein Fluch, der auf dieser Kreatur liegt, und den sie zwangsläufig umsetzen müsste. Dieser Fluch wurde vor langer Zeit, vor mehr als 3000 Jahren, über diese Kreatur verhängt. Ja, sie war mal ein Mensch, der unglaublich gegen das Gesetz verstoßen hat und daher wurde er mit dem Fluch bestraft. Wir Medjai mussten dafür sorgen, dass die Strafe vollzogen wurde und er begraben. Und wir müssen dafür sorgen, dass er niemals zum Leben erweckt wird. Daher leben wir so zurückgezogen in der Wüste. Als Wächter der Unterwelt."
"Das steht ja auch auf deiner Stirn, oder?"
"Ja, da steht Unterwelt. Und die Barken des Todes sind auf meinen Wangen, die den Weg nach Westen, in die Unterwelt, weisen und die Toten dorthin geleiten. Wir Medjai schwören, dass wir diese Aufgabe unser Leben lang wahrnehmen werden. Umso weniger kann ich jetzt verstehen, was ich hier lese! Es kann doch nicht sein, dass in der Wüste Anarchie herrscht! Doch nicht bei den Medjai! Und doch schreibt es William so. Ich muss zurück, Sandokan, und zwar sofort. Unvorstellbar, wenn jetzt jemand die Lage ausnutzt und die Kreatur ausgräbt!"
Sandokan nickte, konnte das alles aber nicht so recht nachvollziehen.
"Ich finde es wirklich gut, dass du zurückkehren darfst, Ardeth. Du wirst mir hier zwar sehr fehlen, aber ich habe auch gemerkt, dass du oft Heimweh hattest, dass du dir Sorgen um dein Zuhause gemacht hast und wie du traurig vor Ohnmächtigkeit gewesen warst."
"Ja, aber ich werde dich vermissen, Sandokan. Die Zeit hier war wirklich wunderbar. Ich habe mich wieder so frei wie damals in Acheh gefühlt. Komm doch mit nach Ägypten! Dann zeige ich dir mal meine Heimat!", forderte ihn Ardeth auf.
"Gern später, Ardeth", meinte Sandokan etwas nachdenklich. "Du musst dich doch nun mit den Briten gutstellen, und da wäre es gar nicht gut, wenn ich dich begleite. Ich werde dich später besuchen, wenn du wieder der unumstrittene Anführer aller Medjai bist. Es sei denn, du benötigst meine Hilfe dafür, es wieder zu werden."
"Nein, ich muss mich da allein durchsetzen, das ist mir schon klar. Und sicher wird mein erster Weg mich zum Vize-König von Ägypten führen. Aber dann werde ich Gazur in der Wüste dafür hinrichten, was er unserem Volk angetan hat. Er hat seine eigenen Krieger für seine Zwecke missbraucht. Und ich hoffe, ich komme nicht zu spät... ich hoffe, die Medjai werden noch auf mich hören."
"Das werden sie, mein Freund, denn du scheinst mir ein starker Anführer zu sein! Ich werde dir eine Eskorte bis nach Singapur geben. Von dort kannst du dich dann leicht nach Ägypten einschiffen. Achwas, ich werde dich selbst bis nach Singapur begleiten, ist doch Ehrensache!"

Am Abend teilte Ardeth seinen beiden Leibwächtern die freudige Nachricht über ihre Rückkehr mit. Während Janirs Augen leuchteten, senkte Arianda traurig seinen Blick. Er wusste nicht, wie er sich seinem strengen Herrn gegenüber offenbaren sollte. Wie gern würde er hierbleiben, in Vercis Nähe! Er hatte sich bis über beide Ohren in die junge Kämpferin verliebt. Aber er war seinem Herrn und auch seinem Eid gegenüber zu Gehorsam verpflichtet und musste ihm Folge leisten. Die ganze Nacht lag er wach und grübelte, wie er Verci dazu bewegen sollte, ihre geliebte Heimat zu verlassen, wie er sich Ardeth mitteilen sollte, welche Lösungen es geben könnte, bis er schließlich von Janir geweckt wurde, der ihm sein seit langem abgelegtes Medjai-Gewand reichte.
"Arianda, steh auf und kleide dich ordentlich an! Wir brechen in einer halben Stunde auf!", raunte ihm Janir zu. Arianda tat wie geheißen, aber sein Mut sank, erst recht, als er zum Kai trat. Er hatte Verci am gestrigen Abend nicht mehr sehen können.
Zu seiner Freude stand auch Verci abreisebereit auf dem Kai, ebenso Soarez und Sidom, die es sich nicht nehmen lassen wollten, mit Sandokan nach Singapur zu reisen. Janir war schon in einem anregenden Gespräch mit den beiden Jungen vertieft. Wahrscheinlich schwärmte er ihnen von zu Hause vor.
Arianda und Verci sahen sich ernst an. Wieviel Zeit blieb ihnen noch? Zwei, drei Wochen?

Drei Tage nach ihrer Abreise von Mompracem standen Ardeth und Sandokan an der Reling der großen Perahu. Ardeth war zwar nicht ganz wohl, aber er versuchte, sich zusammenzureißen. Sandokan warf einen Blick über das Deck und bemerkte Arianda und Verci, die Arm in Arm auf der anderen Seite standen. Sandokan warf Ardeth einen vielsagenden Blick zu.
"Arianda und Verci wird die Trennung sichtlich schwer fallen", meinte Sandokan.
"Ja, Arianda hat mir vor ein paar Tagen, als wir noch keine Nachricht aus Ägypten hatten, zu verstehen gegeben, dass es ihm nun leicht fallen würde, Mompracem als neue Heimat zu akzeptieren. Er würde gern eine Familie gründen."
"Eine Familie?", staunte Sandokan. "Er wollte Verci allen Ernstes heiraten?"
"Sieht wohl so aus."
"Aber er wird doch jetzt mit dir nach Ägypten heimkehren, oder?"
"Ja", erwiderte Ardeth, aber eher grübelnd. "Er muss ja."
"Und wenn er lieber hier bleiben möchte?"
"Das wird er nicht wagen zu fragen. Jetzt, wo ich zurückkehre, muss auch er zurückkehren."
Beide schwiegen eine Weile, jeder in seine Gedanken verloren. Ardeth fragte schließlich:
"Und was ist mit Verci? Wenn sie mit Arianda mitkommen würde?"
"Ob sie das will? Von hier weg?"
"Dürfte sie denn?", wollte Ardeth wissen.
"Ja, sie ist frei zu gehen, wohin sie will", meinte Sandokan.
"Ich kann sie ja mal fragen, ob sie gehen würde, denn es ist sicherlich nicht einfach, in der Wüste zu leben. Meinst du, es ist so ernst zwischen den beiden, dass sie das Opfer bringen würde?"
"Ich denke schon, Ardeth. Außerdem hat sie bereits einen Einblick in euer Leben in der Wüste erhalten, sodass sie ungefähr weiß, was auf sie zukommen wird. Frag sie doch nachher."
Und genau das hatte Ardeth vor. Er nutzte den Augenblick, als Arianda den Matrosen half, die Segel zu reffen und rief Verci zu sich.
"Meine tapfere Verci! Hast du einen Augenblick Zeit?"
"Ja, natürlich, tuan Bay." Sie setzten sich auf die Taue.
"Arianda und du", begann Ardeth ohne Umschweife, "ihr mögt euch sehr, nicht wahr?"
"Ja", stammelte sie etwas verlegen.
"Ihr seid bestimmt sehr traurig, dass ihr euch trennen müsst."
Verci blickte ihn traurig an. Sollte sie es wagen zu fragen, ob Arianda nicht doch hierbleiben dürfte? Nach allem, was ihr Arianda erzählt hatte, musste er zurück.
"Wie sehr liebst du ihn?", riss Ardeth sie aus ihren Gedanken.
So eine direkte Frage! Aus dem Mund desjenigen, von dem Arianda in höchstem Respekt sprach! Jetzt musste sie standhaft sein, wenn sie Ardeth vom Ernst der Lage überzeugen wollte.
"Ich liebe ihn sehr, tuan Bay", erwiderte sie also fest.
"So sehr, dass du ihm folgen würdest?"
Und bevor Verci antworten konnte, mahnte er sie: "Bedenke, was du sagst, Verci! Bedenke, welchen Schritt du zu gehen bereit wärst! Mompracem ist eine grüne Insel, so lebendig. Drumherum ist ein klares blaues Meer. Der Ort, an dem wir leben, ist so völlig verschieden. Du hast damals nur einen kleinen Einblick davon erhalten. Es ist fast nur Wüste dort und du würdest viel gegen wenig eintauschen. Dein Leben wäre ganz anders. Unsere Sitten sind ganz anders als eure. Deine Stellung wäre eine ganz andere als hier... Bedenke wohl, ob du wirklich Arianda in die Wüste folgen würdest. Bedenke, dass seine Familie viele Kinder von dir erwarten würde. Bedenke, dass du vielleicht keine Kämpferin mehr sein würdest. Dein Leben bestünde aus Kindererziehung, Wasserholen, Feuermachen, Frauenarbeit... du wärest auch eine Fremde zunächst. Arianda stammt aus einer sehr alten und angesehenen Familie, die sicherlich schon eine Braut für ihn ausgesucht hat. Ich weiß nicht, ob sie dich so schnell akzeptieren würden. Würdest du wirklich das Opfer bringen wollen? Ist eure Liebe so stark, Verci?" Er wartete eine Weile, um die Wirkung, die seine Worte auf die etwas erschrockene Verci erzielen würde, zu sehen, doch gab er ihr keine Zeit, um zu antworten, sondern fuhr fort: "Nein, antworte mir heute noch nicht! Überschlafe deine Entscheidung! Morgen teile mir mit, wie du dich entschieden hast!" Er nickte ihr freundlich zu und ging unter Deck. Zurück ließ er eine verdutzte Verci, die in jener Nacht keinen Schlaf fand.
Am nächsten Abend trat sie zu Ardeth. Sie hatte sich für Arianda und die Wüste entschieden, doch bat sich Zeit aus, sich von ihrer Mutter verabschieden zu können. Ardeth gewährte ihr diesen Wunsch und stellte außerdem Arianda für diese Zeit frei, sodass er seine Braut begleiten konnte und auch Vercis Mutter Gelegenheit erhielt, ihren Schwiegersohn kennen zu lernen. Danach sollten sie nach Ägypten folgen. Arianda war sprachlos, als Verci und Ardeth ihm das alles mitteilten. Er hatte kaum Hoffnung gehabt, dass er Verci heiraten könne.

Zwei Wochen später erreichten sie Singapur. Verci besuchte die Cliffords und berichtete vom guten Ausgang der Suche nach Sandokan. Sie war sichtlich stolz darauf, dass es der von ihr geholte Ardeth gewesen ist, der Sandokan das Gedächtnis zurückgebracht hatte. Auch verriet sie voller Freude, aber auch etwas bangen Herzens ihre Pläne bezüglich Arianda. Mr Clifford versprach ihr, sie in Ägypten zu besuchen, was Verci wirklich freute.
Ardeth drückte sie herzlich beim Abschied, er hatte die tapfere junge Borneo-Malaiin tief in sein Herz geschlossen, die ja nun bald bei seinem Volk leben würde. Auch verabschiedete er sich von den Cliffords und versprach, mit ihnen in Kontakt zu bleiben.
Und wieder - wie schon vor 45 Jahren - stand Sandokan am Überseekai, aber dieses Mal in Singapur, und sah seinem Freund hinterher, der wieder abreiste, zurück in seine Heimat. Doch dieses Mal war Sandokan sich sicher, dass er Ardeth wiedersehen würde, denn neben ihm stand ein überglückliches Paar: Arianda hielt Verci fest mit seinem Arm umfangen.

Bianca, 13.3.05/5.4.05